Mit der dritten Hochzeitseinladung in meinem Briefkasten wurde mir eins je bewusst, ich werde alt. Noch vor ein paar Jahren standen Dinge, wie Heiraten oder Kinderkriegen noch bei keinem von uns auf dem Tagesprogramm. Wir studierten mal mehr, mal weniger eifrig vor uns hin und genossen das Überangebot an Freizeit. Mit Abschluss der der Uni kam die Kehrtwende. Plötzlich wurden Themen wie Verlobung und Zusammenziehen aktuell. Spätestens da hätte mir klar sein sollen, was bald auf mich zukommen würde.

Jetzt bin ich, wie bereits erwähnt, nun schon zur dritten Hochzeit meiner Freunde eingeladen. Bei einer war ich sogar Trauzeugin. Als Hochzeitsprofi kann ich mich bezeichnen, weiß, auf welche Dinge zu achten sind, damit die Party ihrem Namen alle Ehre macht. Nur ist dies, so finde ich, für eine Anfang Zwanzigjährige ein eher zweifelhafter Titel. Wo ist der Freiheitsgeist bei meinen Kommilitonen und Freunden geblieben? Sich festzulegen ist im Grunde nicht verkehrt, trotzdem schwebt bei der Entscheidung im ein Hauch Stillstand mit. Oder noch verhasster: Routine. Bei der bloßen Vorstellung stellen sich bei mir die Nackenhaare auf. Ich möchte die Ehe nicht verurteilen, genauso wenig, jung Mutter zu werden – das ist eine gute Sache, wie ich finde. Jedoch entsprechen beide Lebensmuster nicht meinen Vorstellungen einer ausgiebig-genossenen Jugend. Wenn man mich denn noch so bezeichnen kann – jugendlich.

Die Entscheidung, sich auszuprobieren, ist in jungen Jahren weniger gravierend, als es später der Fall sein wird. Und so haben auch die Trennung vom langjährigen Partner, der Abbruch des Studiums oder sonstige Einschnitte im Leben eines jungen Menschen etwas Tröstliches: Es gibt immer Alternativen, egal wie man sich entscheidet!

 
 



 

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