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Sagen
 
DAS SCHLOSS
 
Ein antrisches Loch, das im Ahrntal seinen Anfang nahm, mündete beim sagenhaften Schloss Purstein, hoch über dem Tauferer Boden.
Dort lebten zwei reiche Schwestern, eine von ihnen war blind. Einst kam der Ritter von der Kehlburg ins Schloss und hielt um die Hand der sehenden Frau an. Diese willigte ein, und um die Blinde loszuwerden, bot man ihr ein Fass voller Goldstücke an.
Die Blinde tastete über die Goldmünzen im Fass, aber ihre Schwester und der Ritter hatten sie betrogen. Das Holzfass stand umgekehrt da, die Goldmünzen bedeckten nur den Boden des Behälters.
Nach ein paar Tagen läuteten die Glocken von der Tauferer Pfarrkirche her zur Hochzeit, und ein mächtiges Gewitter entlud sich über dem Tauferer Boden.
Plötzlich fuhr ein Blitzschlag nieder und das Hochzeitspaar versank in der Erde, mit ihm verschwand auch spurlos das Schloss.
(von Steger Konrad)
 
 
DER TERLANER TURM
 
Als der kunstvolle Turm in Niederlana gebaut wurde, arbeitete ein junger Steinmetz dabei, der wegen seiner Geschicklichkeit vom Baumeister geliebt wurde. Der schöne Bursche kam oft in die Wohnung des Meisters und lernte dort seine bildschöne Tochter kennen, zu der er bald eine große Neigung faßte. Das Mädchen war ihm auch hold und wünschte sich keinen andern Mann.
Ermutigt durch das Vertrauen, das ihm der Meister so oft geschenkt hatte, bat er um die Hand der Tochter. Da aber sah der stolze Mann ihn verächtlich an und sagte:
"Wenn du einmal einen solchen Turm gebaut hast, wie ich zu Lana, kannst du um meine Tochter kommen. Einstweilen schlag dir aber solche Gedanken aus dem Kopf."
Den Steinmetz wurmte diese Rede und er sann auf Mittel, dem Alten das Bad abzugewinnen. Eben damals wollten die Terlaner auch einen Kirchturm aufführen und der beleidigte Steinmetz übernahm den Bau. Er baute den Turm so künstlich, daß dieser sich auffallend gegen die Straße neigte. Da hatte er das Spiel gewonnen, und die schöne Meisterstochter wurde seine Braut.
(Quelle: Zingerle, Ignaz Vinzenz, Sagen aus Tirol, 2. Auflage, Innsbruck 1891, S. 529 f.)
SAUSCHLOSS
 
Die zu einer schwindelnden Höhe emporragenden, nur auf einem steilen Felsenpfade zugänglichen Trümmer des Schlosses Greiffenstein, führen noch immer im Volksmunde den etwas unschönen Namen Sauschloß. Früher soll es auch Raubenstein genannt worden sein, sintemalen greifen und rauben verwandte Begriffe sind, und dies war die Burg, allerdings im Besitze der Starkenberger, an welche sie nach dem Aussterben der Greiffensteiner fiel. Von Friedrich mit der leeren Tasche hartnäckig und lange belagert, ergab sich die Burg dennoch nicht, und zuletzt, als es im Heere der Belagerer an Proviant fast ebensosehr zu fehlen begann, wie in der Burg selbst, warfen die Belagerte ein lebendiges Schwein von der Mauer herab ins Lager, was die Feinde veranlaßte, die Belagerung aufzuheben und abzuziehen. Daher die volkstümliche Benennung. Später aber hat Friedrich mit der leeren Tasche die Burg dennoch genommen und die Starkenberger vertrieben.
(Quelle: Deutsche Alpensagen. Gesammelt und herausgegeben von Johann Nepomuk Ritter von Alpenburg, Wien 1861, Nr. 282.)

ST. JAKOB IN GRÖDEN

Hoch über St. Ulrich in Gröden stand einst das schöne Schloß Stetteneck, das den mächtigen und reichen Herren von Säben zu Stetteneck gehörte. Der letzte dieser Säbner zu Stetteneck, Herr Jakob mit Namen, dem sein einziger Sohn und Erbe zu früh gestorben war, beschloß nun, seinen ganzen Reichtum zu Ehren Gottes zu verwenden und eine dem hl. Jakob, seinem Namenspatron, geweihte Kirche zu erbauen.
Herr Jakob besaß eine schöne, sonnige und ebene Wiese herunten im Tal und gedachte, hier die Kirche zu erbauen. Aber als man dann mit den Arbeiten begonnen hatte, da haben sich die Handwerksleute fortzu geklemmt und verletzt, und plötzlich kamen wilde Vöglein daher, die hoben die blutigen Späne auf und trugen sie in ihrem Schnabel weit den Berg hinan und ließen sie dort oben fallen - an einem allerdings sehr steilen und unebenen Platz.
Da verstand man aber, daß es wohl Gottes Wille sei, die neue Kirche nicht herunten im schönen Talboden, sondern oben in diesem steilen Berg zu haben. Und so beschloß man also, die Kirche dort oben zu erbauen. Doch es gab nirgends Wasser da oben, wie sollte man also den Mörtel anrühren und die dürstenden Bauleute laben? Aber auch hier half Gott in seinem unergründlichen Ratschluß ab: denn siehe, über Nacht sprang nächst der Kirche eine Quelle aus der Erde und murmelte als frisches Bächlein den Hang hinab!
So konnte man also hier die Kirche erbauen, und die Quelle floß so lange, bis die Kirche vollendet war. Erst dann versiegte sie wieder.
(Quelle: Wolkenstein, Marx Sittich von, Landesbeschreibung von Südtirol. Verfaßt um 1615, herausgegeben als Schlern-Schrift Nr. 34, Innsbruck 1936. S. 261)
 
 
KREUZKOFEL in Abtei
Der Kreuzkofel in Abtei ist eine versteinerte Legende.
Es hat vorzeiten ein überaus frommer Einsiedler da oben gehaust und nur von Waldbeeren und wildem Honig gelebt, denn er war der Weltlust abgestorben und beschäftigte sich mit nichts anderem, als mit der Betrachtung des Leidens Christi und der Geheimnisse des heiligen Meßopfers. Der Waldbruder war aber vordem ein großer Sünder gewesen, und tat daher in dieser Einöde über die Maßen strenge Buße.
Das dauerte so eine Zeitlang, daß er allein in der Wildnis war, da trug es sich zu, daß Gott der Herr ihm zu seiner leiblichen Notdurft eine Menge wilder Bienenschwärme sandte, die ließen sich in den Höhlungen des Kreuzkofels nieder und hatten da ihre Wohnung. Und des Honigs, den die wilden Bienen bereiteten, war da eine solche Menge, daß er allenthalben den Felsen hinabtroff und der fromme Mann täglich genug davon einsammeln konnte.
Noch jetzt sieht man, wie die schwarzen Honigstreifen von den Felsspalten sich herabziehen bis an den Grund. über eine Zeit war es, daß der Einsiedler den frommen Wunsch hatte, das Leiden des Erlösers und die Geheimnisse des heiligen Opfers im Bilde zu schauen; siehe, da erhob er seine Augen und erblickte auf einmal, was er vorher nicht gesehen hatte: Der Kreuzkofel war so gestaltet, daß sein zerklüftetes Gestein die Bildnisse des Leidens Christi und die heiligen Meßgeräte vorstellte.
Da war der gekreuzigte Heiland zu schauen, dort das steinerne Meßbuch, wieder anderswo der Kelch und so alles, was zur Messe gehört. Wie freute sich darüber der gottselige Mann! Nun konnte auch sein leibliches Auge sich an dem laben, was er sich so sehnlich gewünscht hatte.
Der Eremit ist vorlängst da verstorben, aber die heiligen Formen und Gestalten sind die Felswände hinauf noch heute leicht zu ersehen, und die Stätte, wo der Gottesmann gewohnt hat, ist zur vielbesuchten Wallfahrt geworden.
(Quelle: Heyl, Johann Adolf, Volkssagen, Bräuche und Meinungen aus Tirol, Brixen 1897, S. 556 f.)
 
KÖNIG LAURIN
Wenn man den Schloßhang niedersteigt, gerät man in eine warme, windstille, mit besonders gutem Weine gesegnete Mulde, in der auch der goldene Tropfen süßen Frauenweines, der Muskateller gedeiht ...: in Laurins sagenumsponnenen Rosengarten! Schon ein längeres Spielmannslied aus dem 13. Jahrhundert behandelt unter deutlichen Hinweisen auf unsere Gegend die Laurin-Sagen und die Kämpfe des Zwergkönigs mit Dietrich von Bern und seinen Recken. Doch hier haben wir es nur mit dem Volke als Dichter zu tun und hören:
Der alte König Laurin erfreute sich einer gar lieblichen Tochter, fein wie ein saliges Fräulein. Wenngleich die Kristallburg im Innern des Berges wunderprächtig war und von Edelgestein und Gold schimmerte und leuchtete, der Prinzessin deuchte der helle Sonnenschein draußen weitaus begehrenswerter und schöner, so daß sie sich sehnlichst wünschte, im Lichte draußen einen Garten hegen zu können. Der königliche Vater willfahrte dem Willen des Maidleins, das nun in der sonndurchwärmten Mulde Rosen aller Art zu pflanzen anhub. Laurins Tochter umzäunte ihren Rosengarten nur mit goldseidenen Schnüren, daß auch das Volk baß sich freue der duftenden Pracht. Wie und wann all diese Herrlichkeit ein Ende fand, berichtet die Sage nicht.
Erinnerungen, Anklänge an Laurins unterirdisches Reich schwingen mit in einer Sage von Anno Neun.
Im Toben der Küchelberger Schlacht standen drei Schützen auf einer Felshöhe Bayern und Franzosen gegenüber. Barbl, ein saggerisch schneidiges Mädl, pirschte sich mit einem Eimer Milch an die drei heran, um die Dürstenden zu tränken. Freilich war einer davon ihr Herzliebster. Dem gab sie zuerst. Doch, während er den Trunk schlürfte, kam eine Kugel geflogen, riß den Milcheimer weg und ein Stück vom Friedl, wie der Schatz hieß, dazu. Der Feind stürmte, die anderen beiden Schützen pfefferten drein, was das Zeug hielt, aber Pulver und Blei gingen dabei aus, so daß die zwei den anderen Teil der Tapferkeit, vorsichtigen Rückzug, wählen mußten; Barbl aber blieb beim todwunden Geliebten. Da erschien eine wunderschöne Frau mit einer Krone auf dem Haupte, brachte Heilsäfte, Verbandstoffe und trostreiche Worte. Auf ihren Wink wuzelten sich plötzlich kleine Männchen aus Spalten und Klunsen des Berges hervor, machten sich über den Friedl her wie die Ameisen über eine Beute und schleppten ihn davon. Die wundermilde Frau folgte mit Barbl, sie traten in eine Höhle, der ein Bach entströmte, dann — auf einmal — tat sich ein prächtiger Saal auseinander, daß das Mädl die Augen schließen mußte vor lauter Glanz und Schimmer, Edelsteinen. Gold, Kristall und Silber. Da saß auf einem Throne der König der Zwerge, so, wie eben Märchenkönige immer auf Thronen sitzen, stieg freundlich lächelnd herab, strich höchsteigenhändig dem Friedl über die Wunden und verpfändete sein königliches Wort, daß der wackere Landesverteidiger wieder ganz gesund werde. Barbl pflegte ihn mit Liebe und anderen heilsamen Dingen, bis er wirklich heil ward und kräftig genug für eine Bauernhochzeit.
Nun, lieber Leser, hat uns die Sage vom Schlosse Turnstein über Tirolo und den Küchelberg entlang begleitet, uns den Hintergrund umgrenzt, vor dem im weiten Becken des Etschtales seit vielen Jahrhunderten das Leben des Burggräflers sich abspielt rings um die einstige Landeshauptstadt. Erst im 17. Jahrhundert taucht ihr Name für sich allein in den Urkunden auf, während man vorher zu schreiben pflegte: „An der Marein, Maraun, Maran", was nach dem romanischen mara, maraine, marana soviel heißt als „an der Muhr". Das Volk aber leitet den Namen davon her, daß einst das Meer bis an die Mut herangebrandet sei. Darum wurden oberhalb St. Peter eiserne Ringe gefunden, daran die Schiffe gebunden worden sind. Ja, sogar versteinerte Fische sollen entdeckt worden sein.
(Quelle: Der Burggräfler in Glaube und Sage, Hans Matscher, Bolzano 1933, S. 21ff)

VERGRABENE SCHÄTZE

Noch ist die zaubervolle Johannisnacht nicht vorüber, in dieser Nacht blühen die Schätze. Unter „blühen" versteht das Volk, daß vergrabene oder verschüttete Schätze aus den Tiefen der Erde und aus Schächten bis unter die Oberfläche empordringen, wo sie sich durch einen eigenen Glanz „maren", also locken, hinabzugraben und sie zu heben. Im Burggrafenamte zählt man über vierzig Burgen und Burgruinen, die viele adelsstolze Geschlechter mit ruhmreicher Vergangenheit beherbergten. Dieser Landstrich sah den Prunk und die manchmal üppige Hofhaltung seiner Grafen und Herzoge, die Heereszüge der Kaiser und Könige und erlebte eine wechselvolle Geschichte. Darum wohl blühen hier auch überreich die Schatz-Sagen.
Die Schatzgräberei wurde einstmals sogar behördlich gefördert. Im April 1593 zum Beispiel verlieh Erzherzog Ferdinand dem Sigmund Heyrling zu Winkel (Schloß Winkel) ein Privileg, wonach er auf fünf Meilen Weges um die Stadt auf geistlichen und weltlichen Gütern verborgene Schätze suchen und heben durfte. Der Erzherzog bedang sich den dritten Teil aus und überließ denselben seinem Sohne, dem Markgrafen Karl von Burgau. Ob der davon reich geworden, steht nirgends verzeichnet.
Auf der Zenoburg, in der einst die Landesfürsten Hof hielten und namentlich der Vater der Maultasche, König Heinrich, viel Geld unter die Leute brachte, liegt ein Schatz. Das Kind eines Nachtwächters, der dort wohnte, spielte im Schloßhofe. Plötzlich standen sechs Säcke Geld vor ihm. Der Knabe lief, was er konnte, zum Acker hinab, den Vater zu holen. Als sie zurückkamen, war die Herrlichkeit verschwunden. Natürlich! Sieht man nämlich einen Schatz blühen, muß man gleich etwas Geweihtes darauf werfen, dann kann er nicht mehr versinken und ist gewonnen.
Einige Zeit, nachdem das Klarissinnenkloster am Rennwege aufgehoben war (im Jahre 1782), gingen zwei Klosterfrauen abends an der Zenoburg vorüber. Da sahen sie dort eine schneeweiße große Frau mit einem Schlüsselbunde, die ihnen winkte. Sie hatten aber nicht den Mut, ihr zu folgen. Seufzend verschwand die Frau. Zugleich war es, als ob man viele, viele Münzen klingeln hörte.

Es ist noch nicht gar so lange her, da kehrte der alte Herr Passeirer von seiner Leite (Weingut) heim, blickte zur Zenoburg hinauf und sah eine schöne Jungfrau, die aus einem Turmfenster ihm gar freundlich zuwinkte. Sie war gekleidet wie die hl. Notburga und trug einen Bund großer Schlüssel. Der alte Herr war nicht mehr so, daß er sich um das Winken holdselig lächelnder Jungfern kümmerte, und ging seines Weges. Da hörte er ein Rollen, Klingen und Ächzen: ein Schatz versank.

Der alte Herr wollte offenbar sein Glück nicht machen, das sich ihm noch einmal bot, allerdings nicht in Gestalt einer schönen Maid. Er sah nämlich am Eingange zur Zenoburg eine Menge Musikanten, die gar lustig aufspielten. Da ging er freilich etwas näher vorbei, weil ihm die Sache wunderlich vorkam. Einige Jahrhunderte früher hätte ihm die Musik wohl kaum wunderlich gedeucht; denn der bereits er- wähnte König Heinrich ließ zu seinen Festgelagen ebenso mächtig „pfeifen und trumetten" wie der Teufel auf seinen Hexenhochzeiten; Spielmänner waren bei ihm gerne gesehen und der Minnesang erfreute sein Herz, Rüdeger von Rubein und „der von Sonnenburg" waren geliebte Gäste.
Nun, der alte Herr Passeirer wunderte sich, ging zwar näher hin, aber halt doch vorbei. Als er noch einmal umschaute, war alles verschwunden. Zwei fromme Jungfrauen wallfahrteten noch vor dem Betläuten in der Frühe zur Riffianer Gnadenmutter. Als sie zum Schloßhügel kamen, sahen sie am Gitter zwei große Säcke stehen und dabei einen schwarzen Hund liegen, der freilich große, feuersprühende Augen hatte. Da kann man es den beiden nicht sehr verübeln, daß sie davonliefen. Kaum waren sie ein Stücklein gerannt, hörten sie viel, viel Geld in die Tiefe rollen, hätten die beiden Jungfrauen den Rosenkranz, den sie wallfahrend ohnehin schon in den Händen hielten, auf die Säcke geworfen, wäre ihnen der Schatz anheimgefallen. Kannst nichts machen, törichte Jungfrauen hat's schon viel früher gegeben. Neben der Zenoburg ist noch die Brunnenburg die schatzreichste des Burggrafenamtes. Hier sind sogar Wächter nötig.
In den Quatembernächten werden sie sichtbar und hüpfen auf den Mauern der Ruine als blaue Flämmchen hin und her, Geister, die den großen Schatz hüten müssen, der dort begraben ist. Leute sahen dort öfters ein großes, goldenes Kalb, das ein rotes Seidenband um den Hals trug. Als sie in der Johannisnacht gruben, den Schatz zu heben, schimmerte ihnen bereits das goldene Kalb entgegen. Da kamen zwei riesige Männer, die ihnen mit dem Finger deuteten. Darüber erschraken die Schatzgräber so sehr, daß sie Kopf über Hals davonliefen, hinterher kam es ihnen freilich so vor, als ob sie selber zwei ausgewachsene Kälber gewesen seien. Einen Partschinser Bauern suchte ein landfremder Mann auf und riet ihm, er sollte nicht zwei Ochsen, sondern zwei Stiere anspannen und mit ihm fahren. Der Bauer tat ihm den Willen und die Stiere zogen das Fuhrwerk gegen die Brunnenburg. Nahe dem Schlosse stieg der Fremde ab, hieß dem Bauer langsam weiterkutschieren, verbot ihm aber, sich umzuschauen. Plötzlich hörte der Bauer ein fürchterliches Krachen hinter sich. Erschreckt blickte er um und sah, wie Geld aus den Mauern herausrollte und verschwand, hätte er nicht zurückgeblickt, hätte der Fremde den Schatz heben können und der Partschinser wäre auch nicht umsonst ausgefahren.
Daß verschiedene Burgen durch unterirdische Gänge miteinander verbunden sind, erzählt die Sage oft. Sie bergen Schätze und sind deswegen meist mit Absicht verschüttet worden. So sah man z. B. noch bis in die neuere Zeit am Boden des Hochaltares von Sankt Peter bei Tirolo [Tirol, Gratsch] eine Öffnung, die man für die Pforte eines Ganges nach Schloß Tirolo hielt. Dieses soll wiederum in unterirdischer Verbindung mit der Brunnenburg stehen. Von der Zenoburg führte ein Stollen hinab zur Passer, ja, man verlängerte ihn auf der anderen Seite sogar bis zum Schönnaer Schlosse.
Die zwei wackeren Meraner Schatzgräber hätten sich den Ausflug in die Terlaner Gegend ersparen können, als in der Stadt selber, und zwar im Keller des Kasselhauses ein Schatz ruht. Als dort einst ein Kind gestorben war, erschien ein Geist und gestand den Eltern, er habe auf den Tod des Kindes geharrt und sei von diesem erlöst worden. Auch seinen Namen gab er an und wo der Schatz zu finden wäre. Ich weiß nicht, ob er daraufhin behoben wurde. Ich weiß auch nicht, ob mein Mitschüler Tobias Kirchlechner dem Schatz auf die Spur gekommen ist, der in seinem Besitztum Otmannsgut verborgen ist. Einmal (das ist freilich schon bald hundert Jahre her) arbeiteten Leute im Weinberge zwischen Otmannsgut und Winklerhof, als sie plötzlich ein absonderliches Geräusch hörten. Sie schauten in die Richtung des Lärms und sahen, meiner Treu, einen Schatz blühen: goldene und silberne Blüten, denen der Akazie ähnlich, flogen schimmernd in die Höhe und sanken funkelnd nieder. Als die Leute sich von ihrer Verblüffung erholten und herzueilten, war der Schatz schon verblüht und versunken. Er blüht, wie die meisten, alle hundert Jahre. Drum aufgepaßt, Tobias! Es wird Zeit.
Im Schlosse Mauer, das heute dem Palacehotel angegliedert ist, sah man an Feierabenden oft eine eiserne Kiste, darauf ein feuriger Hund saß. Neben diesem lag ein großer, goldener Schlüssel. Einmal stieg eine Magd in den Keller um Wein. Da war die Kiste offen, bis an den Rand mit Geld gefüllt, aber dabei saß der Hund und sah so fürchterlich drein, daß die Magd laut schreiend davonlief.
Auf einigen Hügeln des Burggrafenamtes hat man vorgeschichtliche Wallburgen gefunden, darunter auch am Sinnichkopfe. Der Volksmund weiß von einem "Gschloß am Sinaberg" zu erzählen, in einem Föhrenwalde unterm Hochplatter. Der Name des Schlosses ist ganz verschollen und man sieht nur mehr weitläufige Mauerreste. Diese umschließen einen Schatz. Einmal ging das Arbasweibele Holz sammeln, geriet in das zerfallene Schloß und sah dort schöne, große Kohlen liegen. Sie steckte drei davon zu sich, um sie daheim den Kindern zum Spielen zu geben. Wie staunte sie aber, als sie zu Hause anstatt der Kohlen drei meeralte Achtzehner [ Münzen] aus dem Kittelsacke zog! Seitdem hat der Schatz nie mehr geblüht. Daß Kohlen sich in Gold verwandeln oder umgekehrt, gab es bereits im Altertume. Der griechische Schriftsteller Lucian sagt: „So wäre also der Schatz, den du mich sehen ließest, zu Kohlen geworden." Blaue Lichtlein, die auf den geborstenen Mauern des Schlosses Stein, gewöhnlich Diem genannt, wie auf denen der Brunnenburg herumfahren, bewachen einen dort verborgenen Schatz.
Reich an Schatz-Sagen ist das heutige Parcines [Partschins]. Mag vielleicht davon sein, daß das Dorf und seine Umgebung einst auch reich war an Schlössern und Ansitzen begüterter Edler. Die wenigsten Meraner werden wissen, daß man nicht viele Stunden die Tscheggelberger Hügel abzulaufen braucht, um einen Salten zu erreichen; denn die Partschinser haben unterhalb ihres Parade-Wasserfalles auch einen Salten. Dort soll vor Zeiten ein Schloß gestanden sein, das den Tablander Rittern gehörte, die ein sehr wüstes Leben führten. Zur Strafe dafür ging hinter dem Ginggelegg in der Zielalpe der See los, zerstörte das Schloß und nur eine Glocke blieb übrig, die in der sogenannten Kohlstatt am Salten vergraben ist und alle hundert Jahre von selbst an einem Donnerstage zu unseres Herrn Angstzeit läutet. Wer während des Läutens läuft und rechtzeitig bei der Glocke ankommt, kann einen Schatz heben, der von einem Geist bewacht wird, und dessen arme Seele erlösen. Die Sage wird auch etwas anders erzählt. Demnach prangte einst an der Stelle, wo jetzt das Dorf steht, eine große Stadt, und, wo der Töllgraben sich eingefressen hat, ragte ein stolzes Schloß. Der letzte Ritter, der darauf in Saus und Braus lebte, hatte ein so steinhartes Herz, daß er seinen alten Vater beinahe Hungers sterben ließ. Der Ritter hielt eines Tages Hochzeit, bei der es toll genug herging. Auf einmal brach der See aus, verschüttete die Stadt und riß das Schloß mit. Oft wurden auf der Heide alte Münzen gefunden. In der Mitte liegt heutzutage noch ein gewaltiger Stein, darunter eine große Glocke begraben ist...Einmal gruben Bauern nach dieser Glocke und hatten sie beinahe gehoben, als plötzlich zwei Hexen vor ihnen standen, mit den Füßen auf die Glocke stießen und kreischten:
„Tief in den Grund zu dieser Stund!"
Da sank sie noch tiefer in die Erde hinein und der große Stein legte sich darüber, daß sie kein Mensch mehr heben kann.

Auch in der Zwingenburg (Zwinneberg) ob Prissian soll ein Schatz begraben liegen. Wenigstens hat der Zoten Toni, der erst zu Anfang dieses Jahrhunderts gestorben ist, fest daran geglaubt. Die Prissianer Burschen bestärkten ihn in diesem Glauben. Sie hatten ihn auch belehrt, daß die Hebung des Schatzes nur um die Mitternachtsstunde von 12 bis 1 Uhr geschehen kann. Nur um diese Stunde wird der Schatz sichtbar. Aber — so meinten Tonis Ratgeber — die bösen Geister hüten den Schatz, daß er ja nicht gestohlen wird. Darum müsse man sich mit allen Heiligkeiten ausstatten, um die bösen Geister fernzuhalten. Die Burschen halfen ihm, sich mit allen Schutz- und Hilfsmitteln zu versehen. Mit Rosenkränzen, die hochgeweiht waren, mit Ignatiuswasser usw., denn mit körperlichen Kräften — die hatte der alte Toni auch bereits verbraucht — kann man gegen die bösen Geister nichts ausrichten. Mit geistlichen Waffen vollständig ausgerüstet, wanderte Toni in einer Winternacht, wo alles still und ruhig war, zur Zwingenburger Schloßruine. Es schlug die zwölfte Stunde. Da begann Toni zu graben. Aber bald schossen die bösen Geister aus den Mauerlöchern der Ruine. Toni wehrte sich mit den geweihten Sachen, die er mitgenommen hatte, aber die bösen Geister wollten nicht weichen. Ja, sie wurden Tonis Segenssprüchen und dem Ignatiuswasser zum Trotz sogar handgreiflich und walchten den armen Toni gründlich durch. So kam dieser nicht zu dem erhofften Schatze und was noch schlimmer ist, er verlor sogar den Glauben an den verborgenen Schloßschatz, als er hinter den bösen Geistern von Zwingenburg die leibhaftigen Prissianer Buben entdeckte.

Der Zotentoni hatte auch ein scharfes Auge auf Hexenbücher. Eines Tages spielten ihm die Prissianer Spitzbuben ein mit Pech beschmiertes altes Buch in die Hände. Sie hatten es unter einem Sägprügel versteckt, wo es der Toni finden mußte. Es war offenbar ein Hexenbuch. Daran war nicht zu zweifeln. Und wiederum bestärkten ihn die Prissianer in diesem Glauben. Daß er mit solchem teuflischen Zeug sich nicht versündigen dürfe, wußte Toni zu gut. Darum brachte er das Hexenbuch schnurstracks dem noch gegenwärtig in Amt und Würde befindlichen Tifener Pfarrherrn, der die Geschichte jedem bestätigt, der ihn darum befragt.

Wo eine Sternschnuppe hinfällt, dort liegt ein Schatz begraben.
Wer Geld vergräbt, muß als Geist umgehen, bis es aufgefunden ist.
Beim Schatzheben darf man keine Silbe reden, Haselruten, zwieselig und in der Johannisnacht geschnitten, geben die besten Wünschelruten zum Schatzsuchen.
Das Johanniskraut gilt als Hauptmittel gegen Teufel und Hexen, auch gegen Blitz und Ungewitter, die nun drohen.
Johannes- oder Sonnwendfeuer werden auch im Burggrafenamte entzündet; doch während die Hollepfannfeuer mehr auf den Hängen und Hügeln brennen, sind die Sonnwendflammen reine Höhenfeuer entlang der Bergspitzen und Kämme, was gerade in der bergumkränzten Meraner Gegend einen ungemein zauberischen Eindruck erweckt. Die ganze Kette von der Zielspitze bis zu den Spronserbergen ist glühend an den sommernächtlichen Himmel gezeichnet und der Ifinger ragt im Scheine der Feuer wie ein gotischer Hochaltar in tiefdämmeriger Kirche.
Am 26. Juni ist Vigilius, welcher der Patron der Maiser Pfarre und der ganzen Diözese ist, da der Heilige Bischof von Trento war.

Hier ist die Legende verbreitet, daß die Skorpione in dieser Diözese nicht giftig sind, weil sie Sankt Vigilius geweiht habe. Während er eine Messe las, fiel ein Skorpion in den Kelch, darin bereits konsekrierter Wein sich befand. Der Heilige mußte also den Kelch leeren; er machte von seiner Wunderkraft Gebrauch und nahm dem Skorpion das Gift.

(Quelle: Der Burggräfler in Glaube und Sage, Hans Matscher, Bolzano 1933, S. 162ff)

DIE HL.-KREUZ-KAPELLE UNTER DER JAUFENBURG

Als Hildebrand Fuchs von Fuchsberg zu Jaufenburg, Hauptmann zu Kufstein, einst eine Wallfahrt nach Jerusalem machte, kam er auf der Rückreise mit dem Schiff in große Gefahr unterzugehen. Da machte er das Gelübde, im Passeiertal dort eine Kirche zu bauen, wo ihm sein Pferd ein Zeichen geben würde.

Als der Ritter wohlbehalten in die Heimat zurückkam, fiel sein Pferd gerade unterhalb der Jaufenburg auf die Knie und wollte sich nicht mehr erheben. So ließ denn Ritter Hildebrand an ebendieser Stelle die Hl.-Kreuz-Kirche errichten, die dann 1531 vollendet wurde.

(Quelle: Weber, P. Beda und Schatz, P. Adelgott: Das Tal Passeier und seine Bewohner. Meran 1902. S. 51)

'S KASEMANNL

Zwei Kinder gingen im Spätherbst in den Wald, um Holz zu sammeln. Als es schon dunkel wurde, kamen sie zu einer Hütte, vor der ein altes Mannl stand. Dieses lud die Kinder in sein Stübchen ein, wo sie reichlich zu essen und zu trinken bekamen. Darnach fingen die Kleinen zu schlafen an und schliefen den ganzen Winter hindurch. Die besorgten Eltern suchten ihre Lieblinge lange vergebens.
Als im "Langes" die Knechte in den Wald gingen, sahen sie zwei kleine Schläfer: Es waren die Kinder, die im Herbst nicht mehr heimgekommen waren. Die Männer schlugen vor Freude die Hände zusammen; davon erwachten die Kleinen und taten, als hätten sie nur so ein Stündlein im weichen Moos geschlummert. Freilich war es das Kasermannl, welches sie gelabt und gehütet hatte.

(Quelle: Heyl, Johann Adolf, Volkssagen, Bräuche und Meinungen aus Tirol, Brixen 1897, S. 612)

DER UNTERGANG DES SCHLOSSES BEI ST. WALBURG

Ein gutes Stück talauswärts von Taufers steht das St.-Walburgs-Kirchlein. Einst thronte an dieser Stelle ein Schloß, das aber zerstört worden ist. Auf diesem Schlosse St. Walburg lebte ein reicher und mächtiger Graf. Auf seine Macht aber war ein ebenso reicher Graf eifersüchtig, und als endlich alle Versuche des letzteren, den Walburger zu demütigen, fehlschlugen, kündigte er ihm Krieg an. Auf den Micheltnösern zwischen Uttenheim und Gais, die man von Sankt Walburg aus sehr gut sehen kann, kam es zur Schlacht. Vorher aber hatte der St. Walburger Graf seiner Hausfrau aufgetragen, wenn er fiele und seine Leute fliehen würden, das Schloß anzuzünden. Niemand dürfe dabei sich retten. Die Schlacht ging verloren, der Graf von St. Walburg fiel, seine Leute flohen. Die Gräfin zündete sogleich, wie sie die Niederlage beobachtet hatte, das ganze Schloß an, und es sank in Asche bis auf einen Turm, der noch steht.

(Quelle: Heyl, Johann Adolf, Volkssagen, Bräuche und Meinungen aus Tirol, Brixen 1897, S. 579 - 581)

DIE "GROßE" VON KASTELRUTH

Die Kastelruther haben nicht nur den höchsten Kirchturm weitum - er ist 82 Meter hoch -, sondern auch, wie sie glauben, das schönste Geläute. Ihr besonderer Stolz aber war seit jeher ihre große Glocke im Turm. Diese "Große" lobten sie darum bei jeder passenden und auch weniger passenden Gelegenheit, und dies wiederum ärgerte die Nachbarn ringsum, welche deshalb die Kastelruther gern zu necken pflegten, indem sie sagten:
"Die Kastelruther haben Glocken, so große, daß sie sie nicht derläuten, Kirchenfahnen, so große, daß sie sie nicht dertragen - und Schulden, so große, daß sie sie nicht derzahlen".
Doch die Kastelruther wußten sich schon zu rächen für derlei Stichelreden und hießen prahlerisch die Völser Nachbarn die "Klieber" - Geizhälse die Rittner die "Tschergger" - Krummbeinigen - und die Lajener die "Schmirber", die Unsauberen und Fetthäutigen.
So ging das Necken hin und her.
Einmal aber gingen die Lajener Burschen so weit, daß sie beschlossen, um diesen prahlsüchtigen Kastelruthern eins auszuwischen, ihnen die "Große", auf welche sie ja so stolz waren, "springen" zu machen. Eines Nachts stiegen sie heimlich in den Kastelruther Turm und banden eine starke Rebschnur derart fest um die Glocke, daß diese gleich zersprang und nur mehr erbärmlich "schepperte". Nun mußten die Kastelruther ihre "Große" freilich umgießen lassen, was - laut Inschrift - 1763 der Brixner Glockengießer Josef Graßmayr besorgte. Und sie ließen der Glocke das selbstbewußte Sprüchlein eingießen:
"Bin des Feldes Schutz, leidigen Hagels Trutz und ist mein Hall lieb überall."
Dies letztere War wohl vor allem auf die neidischen Lajener gemünzt, die schon bald wieder die schweren Schläge der Kastelruther "Großen" hören mußten. Und auf diese neidische Tat der Nachbarn von der anderen Talseite war auch ein lateinischer Dreizeiler abgestimmt, den die Kastelruther ebenfalls ihrer neuen Glocke einsetzen ließen:
Aemulatio me primum produxit - Invidia ootennem idestruxit - Et charitas ad vitam reduxit.

(Quelle: Atz, Karl und Schatz, P. Adelgott, Der deutsche Anteil des Bistums Trient, Bd. III, S. 252 f.)

DAS VERSUNKENE SCHLOß BEI RESCHEN

Auf dem Platze, den jetzt der Reschener See mit seinen Wellen überbreitet, stand vor vielen Jahren ein prächtiges Schloß. Eines Tages war das Schloß nicht mehr zu sehen, denn es war mit Roß und Ritter und allem, was darin war, in die Tiefe versunken; die nahen Wildbäche gossen brausend ihre Wasser drüber hin, und kein Menschenauge sieht mehr eine Spur von demselben. Nur der Drache, der es in der Tiefe bewacht, taucht hie und da mit seinem schuppigen Rücken über den Spiegel des Sees empor.

(Quelle: Sagen aus Tirol, Gesammelt und herausgegeben von Ignaz V. Zingerle, Innsbruck 1891, Nr. 240, Seite 149)

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